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Patrick Edlinger "Il mio programma per il futuro è restare libero per tutta la vita" Patrick Edlinger

Patrick Edlinger: „Mein Plan für die Zukunft ist es, für den Rest meines Lebens frei zu bleiben.“

1995, Calanques, Frankreich.
Patrick Edlinger klettert leichtfüßig und elegant eine 7b-Route, überspringt einige Bohrhaken, als plötzlich ein Griff unter seinen Händen explodiert. Er stürzt achtzehn Meter tief.
Während des Falls bleibt sein Herz stehen. Nicht im übertragenen Sinn: ein echter Herzstillstand. Ein vor Ort anwesender Arzt reanimiert ihn notfallmäßig. Edlinger erholt sich ohne schwere Folgen und kehrt später zurück auf höchstes Niveau, sogar im Free Solo.

Eine unvergessliche Figur der goldenen Ära des Kletterns der 80er Jahre, eine Ikone von Eleganz, Technik und Kraft.
„Zusammen mit Jerry Moffatt, Maurizio Zanolla, Wolfgang Güllich und Patrick Berhault“, sagt Fabio Palma, „war Edlinger einer der fünf tragenden Pfeiler der Explosion des Free Climbing zu Beginn der 80er Jahre.“
Doch Patrick war nicht nur ein außergewöhnlicher Kletterer. Er war eine mediale Ikone, von Paris Match als echter Star gefeiert.

Seine epischen Leistungen, verewigt in Kultfilmen wie La Vie au bout des doigts und Opéra Vertical, prägten die Vorstellungskraft tausender junger Menschen.
Sein unverwechselbarer Stil, mit Spagaten weit über 180 Grad, Laufrunden durch die Wälder vor den Wänden im Verdon Gorge, ging weit über das bloße Klettern hinaus.
Wie Palma sagt: „Es ist etwas, das das persönliche technische Niveau und den eigenen Charakter überschreitet und in jene neblige Welt eintritt, in der Begriffe wie Idee, Archetyp und Modell auftauchen.“

Edlinger, geboren 1960 in Dax, begann schon sehr früh mit dem Klettern, inspiriert von seinen bergbegeisterten Eltern. Seine Leidenschaft wuchs schnell und machte ihn zu einem der bekanntesten Kletterer der 80er Jahre.
Seine Solo-Begehungen am Pelvoux, am Pic Coolidge und in Ailefroide Anfang der 70er Jahre brachten ihn erstmals ins Rampenlicht. Doch in den 80ern erreichte er den Höhepunkt seiner Bekanntheit.

„Als Mensch war er eher zurückhaltend, manchmal wirkte er sogar brüsk, aber er verbarg eine sehr sanfte Fragilität“, erinnert sich sein Freund Luca Bich.
Seine magnetische Erscheinung, lange blonde Haare, ein skulpturaler Körper und tiefe Augen, machten ihn zu einer ästhetischen Ikone, nicht nur zu einer sportlichen.

Edlingers Philosophie des Kletterns war eine Mischung aus Hedonismus, Respekt vor der Natur und der Suche nach dem eigenen Limit.
„Klettern ist für mich eine Art zu leben, nicht nur ein Sport“, sagte er selbst.
„Es ist ein Vorwand, um die Welt zu bereisen, neue Orte und neue Menschen kennenzulernen. Das Wichtigste ist, ein Leben lang frei zu bleiben. Das ist mein eigentliches Zukunftsprogramm.“

„Fliegen war in seiner Philosophie ein unverzichtbarer Teil des Kletterns“, schreibt er in seinem Buch Grimper, pratique et plaisir.
„Der Anfänger muss sehr schnell lernen zu fliegen, schon am zweiten oder dritten Klettertag. Seine Fortschritte werden deutlich schneller sein, und er vermeidet Stress, der ihn blockieren könnte.“
Diese Sichtweise, entstanden in einer Zeit, in der Free Climbing noch misstrauisch beäugt wurde, sprengte Konventionen und öffnete neue Horizonte.

Le Blonde war nicht nur ein außergewöhnlicher Athlet, sondern auch ein Pionier im Stil der Erstbegehungen.
1982 kletterte er in Buoux die erste 7b onsight, Captain crochet, gefolgt von der weltweit ersten 7c, La polka des ringards.
1983 erreichte er den Grad 8a. Seine Hingabe an die Kalksteinwände der Provence, insbesondere an Céüse, zeigt sich in der Vielzahl der von ihm eröffneten Routen.
1988 gelang ihm in Châteauvert die erste Begehung der 8b+ Are You Ready?.
1989 folgte das Free Solo von Orange Mécanique (8a) in Cimaï. Im selben Jahr kletterte er Routen bis zum Grad 8c, darunter Maginot Line in Volx und Azincourt in Buoux.

Sein komplexes Verhältnis zu Wettkämpfen, deutlich im Manifest der 19 von 1985, spiegelte seine Sicht des Kletterns als persönliche Suche und als Zufluchtsort vor institutionalisierten Systemen wider. Seine spätere Teilnahme an Wettbewerben wie Sportroccia und dem Weltcup änderte nichts an seiner tiefen Abneigung gegen Konventionen.

Sein Leben war eine Odyssee aus Herausforderungen, gewagten Stürzen und einer unermüdlichen Suche nach Freiheit.
Wie er selbst sagte: „Er wusste, dass er zur Legende geworden war, also musste er weiter träumen.“

Der Blonde bleibt eine Legende, eine Ikone, die dem modernen Klettern einen unauslöschlichen Stempel aufgedrückt hat.

Sein tragisches Ende, geprägt von Alkoholproblemen und einem tödlichen häuslichen Unfall, schloss das Kapitel einer lebenden Legende. Doch sein freier Geist und seine Philosophie sind bis heute tief eingeschrieben in die Seele des Kletterns und in die Werte von BRAGHE.

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